Ein Virtual Operation Support Team (VOST) ist ein Unterstützungsteam aus qualifizierten Freiwilligen, welches dem Bevölkerungsschutz die Potenziale der Informationstechnologie, z.B. der Social Media, erschließen kann.

Im Web 2.0 findet eine bisher nicht gekannte Vernetzung von Interaktionen und Wissen statt, wobei jeder Nutzer selbst Informationen weitergeben und Inhalte erstellen kann. Für die Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) stellt sich hieraus die Anforderung, Teil dieses produzierenden und konsumierenden Netzwerkes zu werden und wichtige Informationen für sich zu nutzen. Eine Besonderheit ist dabei, dass die Informationen in in Echtzeit identifiziert und ausgewertet werden können.

Ein VOST substituiert dabei nicht die vorhandenen Strukturen. Das Team bietet Unterstützung an, wo diese hilfreich erscheint. International hat sich das “Prinzip VOST” bereits an vielen Stellen als erfolgreich erwiesen.

Einsatzmöglichkeiten

Bei folgenden Aufgaben kann ein VOST eingesetzt werden:

Informationsgewinnung, -verarbeitung , -darstellung

Unterstützung bei der Lageerkundung und beim Social Media Monitoring

Der wesentliche Teil der VOST-Arbeit umfasst die Unterstützung im Umgang mit digitalen Informationen. Die Informationen können beispielsweise Bilder, Videos und Textbeiträge auf Plattformen wie YouTube, Facebook oder Twitter sowie aus webbasierten, ad-hoc erstellten Formularen und Umfragen sein. Insbesondere für die Bereiche Informationsaggregation und -verifikation bringt ein VOST einen hohen Mehrwert. Die gesammelten Informationen können aufbereitet und so für die BOS nutzbar gemacht werden. Eine solche Informationsbearbeitung kann z.B. mittels Crowdsourcing erfolgen. Neben der Identifikation von relevanten Informationen können diese aufgrund einer entsprechenden Ausbildung der VOST-Mitglieder auch auf ihre Validität überprüft werden.

 

Crisis Mapping

Ein Lagebild sagt mehr als viele Worte

Gerade in sogenannten komplexen (Flächen-)Lagen mit veränderter oder zerstörter Infrastruktur einer Region ist die grafische Darstellung der vorhandenen Informationen wichtig für ein gemeinsames Lagebild. Dabei kann es sich um relevante Informationen mit räumlichem Bezug handeln, also z.B. der Lage des Schadensgebietes.

Ein VOST hilft bei der Erstellung oder Detaillierung digitaler Karten aus z.B. aktuellen Satellitenbildern oder Drohnenaufnahmen. Hierbei können z.B. veränderte Straßenverläufe nach Erdbeben oder Überflutungen dargestellt werden. Abgerundet wird der Bereich Crisis Mapping durch die Darstellung der Ergebnisse aus dem Social Media Monitoring. Gerade für Einsätze in Bereichen mit geringer Kommunikationsinfrastruktur besteht die Möglichkeit, digitale Karten auszudrucken, in den Einsatz mitzunehmen, dort zu bearbeiten und anschließend wieder zu digitalisieren.

Crowdsourcing / Kooperation

Die Kraft der Vielen: Crowdsourcing

Gerade in Krisensituationen sind Helfer eine limitierte Ressource. Durch die Möglichkeiten des Crowdsourcings können ausgewählte Aufgaben und Fragen entweder an die gesamte Bevölkerung oder nur an ausgewählte Gruppen, wie das Digital Humanitarian Network (so genannte Digital Volunteers, also online Hilfeleistende) weitergegeben werden. Dies schont die Helfer vor Ort. Es besteht eine große Bandbreite an Problemstellungen, welche mittels Crowdsourcing gelöst werden können. Auch hier kann ein VOST Möglichkeiten aufzeigen und eine technische Umsetzung sicherstellen.

Beispiele für erfolgreiche Umsetzung sind z.B. die Übersetzung von Informationen und Hilfeanfragen (Erdbeben, Haiti 2010), Erstellung einer Liste von Gesundheitseinrichtungen (Ebola, Liberia 2015) oder auch das Sortieren von Bildern (Flut, Balkan 2014).

 

Die Zusammenarbeit verbessern

Gerade Kollaborationsplattformen, z.B. zum Informationsaustausch oder zur gegenseitigen Koordination und Kooperation, bieten die Möglichkeit, die eigene Arbeitsweise zu optimieren. Hierzu kann ein VOST technische Möglichkeiten aufzeigen und umsetzen. Ein Beispiel kann die Bereitstellung und der Betrieb einer Plattform zur Kooperation mit Spontanfreiwilligen sein.

ie Bereiche Presse- und Medienarbeit sowie Risiko- und Krisenkommunikation verbleiben weiterhin beim BuMA/S5 im StabAusgeblendeter . Die Rolle eines VOST besteht in diesen Bereichen lediglich in einer Unterstützung durch die technische Bereitstellung und Bedienung von Kommunikationskanälen. Warnungen, Hinweise und Informationen können für soziale Netzwerke aufbereitet werden, jedoch müssen diese durch die reguläre Organisation erstellt werden.

 

 

Warum ein deutsches VOST?

In deutschen BOS und Hilfsorganisationen ist zwar großes Interesse an sozialen Medien gegeben, es mangelt jedoch an personellen und finanziellen Ressourcen. Außerdem ist noch ungeklärt, welche Stabsfunktion diese Aufgabe noch zusätzlich übernehmen können und sollen und welche Qualifikationen dafür notwendig sind. Hierbei sind vor allem spezifische Fachkenntnissen über Plattformen, Möglichkeiten und vor allem der jeweils dort vorherrschenden Sprache und Themen zu nennen.
Ein VOST setzt sich aus Freiwilligen zusammen, die sowohl Kenntnisse im Bevölkerungsschutz als auch in Social Media haben. Zusätzlich können vertrauenswürdige Experten, zum Beispiel aus dem Bereich IT (Big Data Analytics o.Ä.), herangezogen werden. Diese Freiwilligen können im Prinzip von überall arbeiten, wo es einen Internetanschluss gibt. Sie müssen also nicht zwingend vor Ort sein. Dadurch wird das VOST sehr flexibel und schnell einsetzbar. Durch die Verbindungspersonen im Stab vor Ort (s.u.) ist gleichzeitig ein reibungsloser Austausch gewährleistet.